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Standpunkte
Warum bin ich nicht ,,,,
in den Medien omnipräsent, wie andere?
10. Apr. 2015

Ganz einfach: weil durch die Verbreitung von Nachrichten über das Internet eine Dynamik eingetreten ist, die sorgfältige und bei einer derartigen Tragödie gewiss auch respektvolle Berichterstattung kaum noch ermöglicht. Ich möchte nicht  Teil einer Berichterstattung sein, der es aus diesem Grunde oft nur die Sensation und das zuerst gesendete Neue (unabhängiig von Relevanz und Wahrheitsgehalt) geht. Mehrfach haben Piloten in den letzten Wochen ihre Fluggäste mit den Worten begrüßt: "Glauben Sie nicht alles, was veröffentlicht wird..."

 

Jüngstes Beispiel: Der erste Journalist weiss angeblich - woher auch immer -, dass der Co-Pilot sich im Internet über  harntreibende Mittel informierte, der zweite formuliert daraus die Frage, ob er dem Piloten etwas in den Kaffee gemischt hat, der dritte formuliert das als Faktum, und so geht es in Echtzeit durch das gesamte Netz.

 

Fehlt nur noch, dass Rechtsanwalt xyz das aus haftungsrechtlicher Sicht kommentiert; nein, fehlt  eben nicht, ein Nachrichtenportal hat die Verbindung schon hergestellt, jedenfalls, wenn man nur die Schlagzeile bei google news liest.

 

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind zunächst die Journalisten, denen keine Zeit mehr für seriöse Recherche und Berichterstattung bleibt, weil die Macht des Faktischen sie sonst so überholt, dass sie auf der Strecke bleiben würden. Oder, wie Herr Wulff treffender formuliert bzw. zitiert: " Im kollektiven Fieber, getrieben von der Angst, mit einer Nachricht zu spät zu kommen, bleibt für die Ausleuchtung der Hintergründe und die Darstellung der Zusammenhänge wenig Zeit.... High Noon als Endlosschleife".

 

Nur so läßt sich erklären, daß von einem eigentlich für seriöse Recherche bekannten Medium ein Kollege als "Fachanwalt für Luftverkehrsrecht" tituliert wird, den es überhaupt nicht gibt.

 

Aber wer denkt dabei an die betroffenen Familien, die die eigentlich Leidtragenden einer solchen Berichterstattung sind? Zu Trauer und Leid, das über sie allein aufgrund der Katastrophe über sie hereingebrochen ist, gesellt sich eine teilweise haarsträubende Mediendusche, der sie nicht täglich, sondern eher minütlich ausgesetzt sind? 

 

Anwälte sollten da nicht mitmachen und auch falschen Titulierungen entgegenwirken, anstelle diese aus naheliegenden Gründen geschehen zu lassen.

 

Wenn sich also schon Journalisten dem geradezu atemberaubenden Tempo der Berichterstattung nicht entziehen können, weil sie sonst ihren Job verlieren: Anwälte können es und sollten es tun. Das gebietet schon der Respekt vor der Katastrophe und den persönlichen, damit verbundenen Schicksalen. In den USA sind Werbemaßnahmen innerhalb der ersten 40 Tage nach einer Katastrophe standesrechtlich verboten.

 

Daher stehe ich nur zur Verfügung, wenn es um Sachinformation für sorgfältig formulierte Beiträge geht. Insoweit ist ein gut recherchierter und geschriebener Artikel in den Printmedien im Zeitalter des worldwideweb genauso wertvoll wie ein gut gebundenes Buch in demjenigen von Kindle.



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